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Vor der eigenen Haustüre kehren

Zuletzt aktualisiert (Montag, 07. Mai 2012) von Christian Tafart

Drei Schritte, die wir heute setzen können


Nun bezieht auch das Rektorat Stellung zu unserem Bericht über die prekären Verhältnisse beim Masterzugang – das freut uns aufrichtig! Eine Stellungnahme zur Stellungnahme des Rektors (diese findest du weiter unten im Text).

Mit Blick auf die konkreten Probleme rund um das Masterstudium gilt es aber deutlich zu unterscheiden. So gibt es neben geeintem Ziehen an einem Strang auch klare Trennlinien in den Interessen der ÖH WU – als Eurer(!) Interessensvertretung – und dem Rektorat.


Einig sind wir uns, dass das Grundübel mit dem wir alle gleichermaßen kämpfen in einem grundsätzlichen Versagen der Politik liegt. Die ÖVP blockiert eine Schulreform, die SPÖ eine Universitätsreform. Und Leidtragende sind wir alle: Studierende, Mittelbau und Professoren. Um den Preis von Klientelpolitik gefährdet man unsere Zukunftsperspektive - offensichtlich kann es so nicht weitergehen. Und in der Tat arbeitet das Rektorat mit der ÖH WU gemeinsam daran, die Verantwortungsträger in Regierung und Parlament vom Handlungsbedarf zu überzeugen. Jeder auf seine Art und mit den jeweiligen Kanälen. Wir sind jedenfalls froh nicht alleine daran arbeiten zu müssen.


Drei Schritte


Wir können aber schon heute beginnen vor unserer eigenen Türe zu kehren und konkrete, pragmatische Schritte setzen - die alleinig in unserem Gestaltungsspielraum liegen, also weder von Ministern noch Parteien oder wesentlichen finanziellen Mitteln abhängen.
Und hier vermissen wir eine transparente, lösungsorientierte Vorgangsweise des Rektorats, ehrlich im Interesse der Studierenden und an den Studierenden!
Exemplarisch seien drei Schritte angeführt, die wir an der WU bereits morgen angehen können und die die Masterproblematik entscheidend entschärfen würden:


1. Mehr Transparenz:


Als gelernter WUler weiß ich, dass wir Studierende kein Problem haben mit herausfordernden Situationen im Studium. Wir sind leistungsorientiert und leistungsfähig. Was wir aber nicht akzeptieren können, ist Intransparenz in einem selektiven System. Warum gibt es unter vorgehaltener Hand beim Masterzugang eine inoffizielle WUler-Quote von höchstens 40% - und niemand hat jemals etwas davon gehört? Ich verlange von meiner Universität, dass sie nicht mit Karten im Ärmel spielt. Die WU soll ihren Studierenden sagen, was Sache ist.

Das bedeutet beispielsweise, dass die WU ihren Fokus nicht zwangsläufig nur auf internationale Bachlor-Absolventen richtet, sondern auch versucht, ihre hauseigenen Bachelor-Absolventen mit einem Master- Studienplatz zu versorgen. Genauso sollten alle Studierenden wissen, dass sie ausschließlich dann eine Chance auf ihrem präferierten Masterplatz an der WU haben, wenn sie die „richtige“ SWBL gewählt haben. Und wenn uns dann noch jemand erklärt, wie die persönlichen Interviews im Rahmen der Masteraufnahme objektiv und transparent gehalten werden und wer dies überprüft, dann wären wir auch schon schlauer. Transparenz der Verfahren sollte an der WU des 21. Jahrhunderts eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Das braucht keine Bundesregierung und kostet nichts. Und die Wahrheit sagen ist langfristig auch meistens billiger.


2. Faire Notengebung:


Das Bachelorstudium an der WU ist notenselektiv. Wir haben daher mehrheitlich auch 3er und 4er zu Buche stehen. Innerhalb der WU ist das kein großes Problem, da wir Gleiches unter Gleichem messen. Man möge allerdings mal versuchen, sich mit unseren Notenschnitten international für ein Masterprogramm zu bewerben. Die Notenschnitte an den meisten anderen internationalen Hochschulen – vor allem auch jene von Weltrang - sind nämlich wesentlich besser. Und da möchte ich mal die Frage in den Raum stellen, wie viele unserer Professoren zu heutigen Bedingungen für einen Masterstudienplatz maximal an die Uni Klagenfurt verwiesen wären.

Und wir können uns sicher sein, dass die Auswahlverantwortlichen an der LSE oder der Bocconi, so sie die WU überhaupt genauer kennen, die spezifischen Gründe für unsere unansehnlichen Zeugnisse nicht wissen und berücksichtigen werden. Soviel zu unserer internationalen Konkurrenzfähigkeit, die rein hausgemacht ist.


3. Information und Unterstützung:


Ich verstehe, dass es dem Rektorat kein dringendes Anliegen per se ist, uns beim Sprung ins Ausland zu helfen, denn da könnte es ja passieren, dass die Bewerbungen für die Masterplätze geringer würden. Wie Prof. Speckbacher gegenüber „Die Presse“ vom 14. April dieses Jahres betont: „Mehr als 500 Talente aus allen Teilen der Welt haben sich für die rund 60 Plätze beworben.“ Die WU macht ja auch in aller Herren Länder Werbung für ihre Masterstudien. Sie will Talente aus der ganzen Welt und wir verstehen das. Das ist auch gut für die Qualität unseres Studiums.

Unserer Einschätzung nach ist es aber dann ein Gebot der Fairness , dass man auch uns Studierende an der WU ehrlich und umfassend über die Chancen und Möglichkeiten für künftige Masterstudienplätze an der WU aber auch in ganz Europa informiert. Das Rektorat ist also herzlich eingeladen, sich der ÖH WU anzuschließen und so manchem Studierenden bei ihrem Sprung von der WU an eine andere europäische Hochschule zu unterstützen.

Unser Fazit: Die ÖH WU ist nach jahrelanger Erfahrung nicht so naiv zu glauben, dass der Selbstzerstörungstrip unserer Politik schon in näherer Zukunft ein Ende finden wird.

Daher gilt unser Blick dem, was wir tun können, damit wir eine qualitativ hochwertige und konkurrenzfähige Ausbildung erhalten und wir unter fairen Bedingungen am Bologna-Prozess teilnehmen können. Mit unseren drei Schritten wäre ein entscheidender Anfang getan.

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Christian Tafart
Vorsitzender ÖH WU
AktionsGemeinschaft WU
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Wer kämpft wofür?
Replik auf „Wo sind unsere Masterplätze?“ (WUaktuell vom 16.4.)
von Christoph Badelt (Rektor)

Im letzten WUaktuell meint Herr Tafart, „das WU-Management“ habe sich von den steigenden Studierendenzahlen in den Masterprogrammen „einfach überraschen“ lassen. Das ist falsch. Vielmehr haben wir seit mehreren Jahren konsequent auf eine Lösung des Problems hingearbeitet, haben aber bisher bei den politischen Entscheidungsträgern leider noch kein Gehör gefunden.

Konsequenter Einsatz rechtlicher Mittel

Die WU hat bereits im Jahr 2009, nämlich  in der derzeitigen Leistungsvereinbarung für die Jahre 2010-2012, die Kapazitätsgrenzen für die Masterstudien  definiert und dabei das Versprechen erhalten, dass  bei darüber hinausgehenden Studierendenzahlen unverzüglich eine Lösung herbeigeführt wird.  In den ersten Semestern dieser Leistungsvereinbarungsperiode wurden allerdings Zusatzkapazitäten nur für die Bachelorprogramme genehmigt, weil die Zahl der Masterstudierenden damals noch nicht groß genug war. Dies war auch eine an sich richtige Entscheidung, denn niemand (wohl auch nicht die ÖH) hätte es im Jahr 2010 verstanden, wenn wir damals z.B. keine zusätzlichen SBWL Plätze geschaffen hätten, um Kapazitäten für spätere Probleme bei den Masterstudien gleichsam freizuhalten.

Aufgrund der insgesamt prekären  finanziellen Situation hat die WU  dann 2011 das Schlichtungsverfahren gestartet. Während dieses Verfahrens (also im Wintersemester 2011) stieg die Zahl der Masterbeginner/innen erstmals über die Kapazitätsgrenze. Deshalb haben wir schon  im Zuge dieses Verfahrens zusätzliche Mittel zur Lösung der Kapazitätsprobleme in den Masterstudien gefordert, was allerdings von der Schlichtungskommission aus juristischen Gründen  abgelehnt wurde. Vielmehr wurden wir mit diesem Anliegen wieder an das Ministerium verwiesen.

Das Rektorat hat natürlich nicht locker gelassen. Sofort nach Abschluss des Schlichtungsverfahrens ist die WU wieder beim Ministerium vorstellig geworden und hat mehr Geld für den Ausbau der Masterkapazitäten verlangt.  Das Ministerium erklärte, dass nunmehr alle Geldreserven erschöpft seien und hat uns nahegelegt,  Anträge auf Zugangsregeln nach § 124 b(6) UG für die deutschsprachigen  Masterstudien zu stellen. Wir arbeiten zwar daran, wissen aber, dass solche Regeln unbedingt mit einem Ausbau der Master-Studienplätze insgesamt einhergehen müssten, um den Studierenden eine Verbesserung zu bringen.

Deshalb ist der Ausbau der Masterkapazitäten auch eine unserer Kernforderungen im neuen Leistungsvereinbarungsentwurf für 2013-2015, der dem Ministerium Ende April vorgelegt wurde.  Darin fordern wir 330 zusätzliche Plätze in den deutschsprachigen Masterprogrammen. Wir werden sehen, wie das Ministerium darauf reagiert.  Sollte keine Lösung zustande kommen, werden wir wieder rechtliche Schritte einleiten – denn die Situation ist auch aus unserer Sicht unhaltbar. Die Studierenden sind die Opfer einer nur mehr als zynisch zu bezeichnenden Unipolitik – es gibt weder Zugangsregeln noch genügend Geld für die Ausweitung der Kapazitäten. Dies gilt für die Bachelor-, die Master – und die Doktoratprogramme!  Das Problem wird einfach ignoriert und die Studierenden bleiben auf der Strecke. 
Verbesserungen aus eigener Kraft

Davon abgesehen möchte ich darauf hinweisen, dass wir nicht nur alle Hebel politischen Lobbyings, der Öffentlichkeitsarbeit und der gesetzlichen Möglichkeiten nutzen, um an einer Verbesserung zu arbeiten, sondern auch im Rahmen der beschränkten Möglichkeiten an der WU einen Beitrag leisten. Wie bieten ab Herbst 2012 bereits 140 Master-Studienplätze mehr an, als in den gültigen Leistungsvereinbarungen vorgesehen. Aus eigener Kraft und dank der Tatsache, dass unsere Lehrenden mehr lehren als sie eigentlich  müssten.

Setzen wir uns gemeinsam für unsere WU-Studierenden ein

Wir brauchen eine Bündelung unserer Kräfte, um für eine Verbesserung der Studienbedingungen und für eine Lösung der Kapazitätsprobleme zu kämpfen. Wechselseitige Anschuldigungen, wer was vernachlässigt hätte, bringen gar nichts. Im Namen des Rektorats lade ich die ÖH zum gemeinsamen Einsatz für einen Ausbau der Kapazitäten ein.

Christoph Badelt, Rektor der WU